American Tribal Style Bellydance (ATS)

Der American Tribal Style kann als ethnisches Tanzfusionsexperiment bezeichnet werden.
Er ist in den 60er Jahren a n der West-Küste der USA entstanden bzw. in San Francisco.
Tribe bedeutet auf Englisch = Stamm, Sippe.

Ein Stamm ist eine Gruppe von Personen, die
- gemeinsam Leben
- gleiche Sitten und Gebräuche haben
- gleiche oder ähnliche Kleidung tragen
- gemeinsame Rituale pflegen wie singen, tanzen etc.

Somit kann theoretisch jeder Tanz als „Tribal Dance“ bezeichnet werden, der von einer zusammengehörenden Gruppe bzw. Stammesangehörigen getanzt wird (ob Berber oder Indianer, Masai usw.).

Die stilistischen Haupteinflüsse stammen aus dem Bewegungs- und Kostümierungsrepertoire mittelasiatischer und nordafrikanischer Bevölkerungsgruppen insbesondere den Ghawazee aus Ägypten, der Ouled Nail aus Algerien und den marokkanischen Berbern.

Ghawazee

Ouled Nail

Der „American Tribal Style“ ist also ein Fantasietanz, ein relativ junger Tanzstil, der sowohl durch aufwendig verzierte Kostüme bezaubert als auch durch die besondere Atmosphäre, die eine Gruppe beim Tanz an die Zuschauer transportiert.
Die Besonderheit liegt im gemeinsamen Tanzen,
das synchron aber ohne Festlegung auf Choreografien funktioniert. Durch spezielle Handzeichen oder Blicke, die von der vordersten Frau gezeigt werden, leitet jene die Gruppen (oder den Tribe) an und entscheidet welche Figur und Figurkombination als nächstes getanzt wird.
Durch die notwendige Konzentration verbreitet sich während des Tanzens eine Stimmung von Achtsamkeit und Zusammengehörigkeit, die verbindend in die Gruppe wirkt und das Publikum fasziniert.

Der ATS erweckt den Anschein, als handele es sich um authentische Folklore, tatsächlich ist es aber eine innovatives Genre im orientalischen Tanz, der Ende der 60er Jahre an der amerikanischen Westküste entstanden ist. Über die erste Weltausstellung in Chicago 1893 kamen erstmals tanzende Gypsies (Zigeuner) in die USA. Danach wurde der orientalische Tanz beliebt und die westlichen Tänzerinnen entwickelten ihre eigenen publikumstauglichen Choreographien.

 

Geschichte
(Diese Darstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit sonder skizziert grob die Entwicklung dieses Tanzstiles)

Die folgenden amerikanischen Lehrerinnen der letzten 50 Jahre bilden die direkte Kette zu dem, was heute als American Tribal Style bekannt ist:

Jamila Salimpour
(Mutter von Suhaila Salimpour)

 

 

60er Jahre
Die Amerikanerin Jamila Salimpour wird als “Ursprung” des American Tribal Style Bellydance angesehen. Eigentlich unterrichtete sie klassischen Raks Sharki.
Als jedoch einige ihrer Schülerinnen begannen spontane und improvisierte Auftritte auf Renaissance-Festivals, vergleichbar mit unseren mittelalterlichen Festen, zu machen, wurde sie bald gebeten diese Auftritte in gemäßigte Bahnen zu lenken und gründete 1968 die Gruppe „Bal-Anat“.
Da Jamila Erfahrungen in einem Zirkus gesammelt hatte inszenierte sie mit ihrer Gruppe ein buntes Programm, wie man es auf einem Bazar im mittleren Osten gesehen hätte.
Das Programm bestand darin, dass die Schülerinnen als Stämme (Tribes) Folklorestile verschiedener Regionen zeigten und die Darbietungen mit einem Hauch Showeffekt und Spektakel inklusive Schwert-tanz & Magie etc. für das Publikum bereichert wurde.
Die Bezeichnung Tribal-Style oder-Dance entstand wahrscheinlich hier.
Übrigens benutzte diese Gruppe bereits die Chor-Formation (Halbmond).

Bal Anat wurde mit den Jahren in den ganzen USA kopiert.

Masha Archer, eine Schülerin von Jamila Salimpour fügte schließlich der Kostümierung mehr Einheitlichkeit hinzu. Sie mischte verschiedene Stile, so dass ein neuer Fantasie-look entstand und nannte den Tanz an sich wieder vereinfacht „Bauchtanz“.
Masha weigerte sich in Bars oder Restaurants zu tanzen und suchte statt dessen kulturelle Veranstaltungen auf. Damit prägte sie eine neue Denkweise und Haltung orientalischer Tänzerinnen nämlich ihrer Kunst einen anspruchsvollen und angemessenen Rahmen zu geben.
Heutzutage arbeitet sie erfolgreich als Schmuckdesignerin.

 

Carolena Nericcio wurde bereits mit 14 Jahren Schülerin von Masha Archer und gründete 1987 die Gruppe „FatChance BellyDance“(FCBD).

FCBD übernahm die Chorformation von Jamila Salimpour und die einheitlichen Fantasiekostüme von Masha Archer.
Sie zeichnen sich aus durch hohe Synchronität der Gruppe und eine stolze spanische Haltung.

Spricht man heute von American Tribal Style so ist es für viele ein Synonym für den Stil von FCBD. Durch die Lehrvideos von FCBD weckte Tribal Style ca. Mitte der 90er Jahre auch Interesse ausserhalb der USA.

In Deutschland begannen 1996-1998 die ersten Frauen sich für Tribal Style zu interessieren.
Weitere Tribes der Gründerzeit sind u.a.:
Gypsy Caravan

Folkloristisch, experimentell und etwas esoterisch geprägt. Ihr Tanzstil ist im Vergleich zu FCBD etwas weicher und ähnelt dem orientalischen Tanz etwas mehr. Sie haben im Laufe der Zeit mehrere eigene Musikproduktionen herausgebracht.
Hahbi Ru (1991)
Ist sehr folkloristisch geprägt und besteht aus Frauen als auch aus einem Tänzer und eigenen Musikern.
 

Mit der Zeit haben sich immer mehr Tribes auf dem ganzen Globus gebildet.
Dadurch findet man heutzutage einen Vielfalt an verschiedenen Kostümierungen und Bewegungsmustern, die sich sowohl aus dem Vorbild der ersten Tribes als auch aus eigenen Ideen oder den Inspirationen neuerer Tribes zusammensetzen können.

Insbesondere Rachel Brice hat mit ihren Auftritten in der Show „Bellydance Superstars“ neue Trends gesetzt und den Tribal Fusion Stil bekannt gemacht.

Des weiteren sind in die Bewegungsmuster weitere Tanzstile hinzugenommen worden und das Out-fit wurde verändert.
Aus diesen Veränderungen entwickelten sich Tanzformen, die heute als „Tribal-Fusion Dance“, „Neo Tribal“, „New age Tribal“ und sogar „Gothic Tribal“ bekannt sind.

Diese Stile unterscheiden sich vom herkömmlichen Tribal-Style nach FCBD sowohl optisch als auch tänzerisch und weichen teilweise von der Stammesidee ab.
Zum Teil werden wieder Choreographien getanzt als auch Bewegungsmuster aus modernen Tänzen wie Modern und Break-Dance eingebaut.

Die Performances sind sinnlich und zeigen, dass die Tänzerinnen selbstbewusste, moderne Frauen sind. Ein folkloristischer Eindruck soll nichts zwingend vermittelt werden.
Die Musik wird nicht mehr nur aus dem orientalischen Bereich gewählt sondern auch moderne und elektronische Klänge sind zu finden.

Weitere Tänzerinnen und Tribal Fusion Formationen unter unseren links